« zurück zur Blogübersicht

Phantasie ist notwendig für echte Alternativen beim Konsum

Von Daniel am 14. März 2010

von Creativity103@flickrBild unter Creative Commons von Creativity103

Seit Jahrzehnten geht Konsum in die gleiche Richtung – mehr, schneller, komplexer. Auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme liefert ein ökonomischer und politischer Tunnelblick immer dieselben Antworten: mehr Konsumdruck, mehr Schulden, schnellere Innovationszyklen, komplexere Produkte.

Können wir uns Alternativen überhaupt noch vorstellen? Wir sollten alle Phantasie mobilisieren, denn wir brauchen konkrete Ansätze.

Für lend.ly haben wir uns Gedanken gemacht. Ein erster Schritt kann so konkret und einfach sein:

Etwas Verliehenes merken

Klicken und Konsum neu denken

Motivation und Potenzial für diesen Ansatz und wie man damit Konsum neu denkt, steht im Folgenden.

Ressourcen sind begrenzt – Punkt

Ressourcen sind begrenzt. Immer mehr Verbrauch geht auf Dauer nicht.

Fast alle essenziellen Rohstoffe sind faktisch limitiert. Erdöl, das als Basis für viele industrielle Produkte dient, wird in seiner Knappheit immer wieder thematisiert. Nachhaltige Energieversorgung ist eine immense Herausforderung. Aber selbst mit vermeintlich schnell nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Leder, Nahrungsmitteln oder grundlegenden Ressourcen wie Wasser tun wir uns bei einer steigenden weltweiten Nachfrage schwer.

Heute leben wir in einem globalen Dorf. Es gibt noch immer Grenzen und die wird es immer geben, aber wirtschaftlich wie digital sind diese heute so durchlässig wie noch nie. Das heißt auch, dass alle Menschen auf dieser Welt mit all den begehrten Dingen, die begrenzt vorhanden sind, gemeinsam auskommen müssen. Benötigte Güter müssen sinnvoll und effizient verteilt und geteilt werden. Eine steigende Nachfrage in Asien, Südamerika und möglicherweise Afrika wird den Druck auf der ganzen Welt weiter erhöhen. Da auch die industrialisierte Welt bei manchen der Ressourcen schon heute an greifbare Grenzen stößt, ist der Umgang mit begrenzten Rohstoffen eine konkrete, epochale Herausforderung für uns alle.

Komplexität vernebelt die Probleme

Politik und Wirtschaft bieten bisher zu wenig konkrete Lösungen dafür an. Das Problem begrenzter Ressourcen wird selbst heute noch vernebelt wie viele andere unangenehme Wahrheiten: durch abschreckende Komplexität. Verkomplizieren, Aufblähen, Zerstreuen funktioniert leider viel zu oft und nimmt den Druck, funktionierende Lösungen in die Tat umzusetzen. Irgendwann scheint es für alle bequemer, die Komplexität in die gewohnte Richtung weiterwuchern zu lassen als mit Phantasie umzudenken und beherzt einzugreifen.

Das Phänomen der Komplexität begegnet uns im Alltag in zahlreichen weiteren Facetten. Wer sich heute einen Internet-Anschluss, einen Mobilfunkvertrag oder eine Versicherung anschafft, muss sich praktisch tagelang durch unzählige Optionen und Klauseln kämpfen. Hier wird eine Breite im Angebot suggeriert, die der tatsächlichen Substanz nicht entspricht. Vernebelung verhindert eine einfache Entscheidung.

Komplexität vernebelt auch die Ursachen fataler wirtschaftlicher Wirkungen. Prominente Beispiele sind die komplexen Produkte am Finanzmarkt, deren Struktur und wirtschaftliche wie gesellschaftliche Auswirkungen nicht einmal vermeintliche Experten und berufende Politiker überblicken. Und wir alle lassen zu, dass diese Komplexität die an sich offensichtlichen, verheerenden Konsequenzen vernebelt. Wohl deshalb geht es mit diesen Finanzprodukten auch nach den größten Krisen, Pleiten und Skandalen unbeirrt weiter.

Aufgeblähtes Kapital verschärft die Situation

Werden die abenteuerlichen Finanzprodukte mit elegant gestrickten politischen Argumenten kombiniert, lassen sich die immensen resultierenden Verluste vermeintlich seriös verpacken und verschieben. Um gesunde Grenzen beim Wachstum zu überschreiten und punktuell unglaubliche Profite zu erreichen, wurde und wird von vielen toleriert, dass mit sehr viel Geld immer abenteuerlichere Risiken eingegangen werden. Einige wenige werden dabei reich. Und das Risikospiel hat es überhaupt erst ermöglicht, gesamtwirtschaftliches Wachstum über die gesunden Grenzen hinaus vorzugaukeln. Das volkswirtschaftliche Gesamtfazit ist aber die immense Verschuldung der Staaten – ein hoher Preis für die Illusion von großem Wachstum. Die Staaten helfen mit ihren Schulden dabei, die Verluste aus dem Risikospiel der Vergangenheit auf kommende Generationen zu verschieben.

Die Konsequenz für uns alle ist, dass Geld nicht mehr den Wert hat, den wir noch darin sehen möchten. Mit den wachsenden öffentlichen Schulden und der Komplexität in den Finanzsystemen wurde die Geldmenge immer weiter aufgebauscht. Durch greifbare Werte wie Gold sind die großen Währungen schon seit Jahrzehnten nicht mehr gedeckt. Letztenendes ist alles, was wir privat besitzen – in Geld gemessen – wesentlich weniger wert als wir heute noch dafür ansetzen. Die Kaufkraft unseres Geldes wird sinken, Inflation oder sogar eine Währungsreform werden die klaffende Lücke ausgleichen müssen, sagen viele Experten.

Zudem muss in Ländern wie Deutschland eine schrumpfende Arbeitnehmerschaft für eine wachsende Bevölkerungsschicht im Ruhestand aufkommen. Die heranwachsende Generation in vielen industrialisierten Ländern wird im jetzigen System nicht mehr das Wohlstands- und Konsumwachstum ihrer Eltern erreichen.

Schon heute muss deshalb auch in Deutschland gespart werden. Im Land, in den Kommunen und in vielen Privathaushalten herrscht eine dramatische finanzielle Lage. Und diese Situation wird sich in Zukunft noch deutlich verschärfen.

Verleih ist einfach und hat Phantasie

Um die Probleme, die aus einer Ideologie des “mehr, schneller, komplexer” entstehen, in den Griff zu bekommen und zukünftig zu vermeiden, brauchen wir wieder Phantasie. Um mit den begrenzten natürlichen und ökonomischen Ressourcen vernünftig und menschlich umzugehen, brauchen wir wieder Phantasie. Um den politischen und wirtschaftlichen Tunnelblick aufzubrechen, brauchen wir wieder Phantasie. Wir müssen über den Tellerrand hinausblicken, müssen radikal neue Gedanken denken und zeitgemäße, tragfähige Werte finden. Wir brauchen konkrete Ansätze mit Phantasie, die jeder verstehen und selbst mit umsetzen kann.

Wir wollen unseren Ansatz nicht schuldig bleiben: Verleih. Verleih heißt, sich gegenseitig unterstützen, Sachen gemeinsam nutzen, ihren Nutzwert erhöhen anstatt sie verstauben zu lassen. Verleih ist neben all der entstandenen Komplexität eine einfache Idee. Eine bekannte und bewährte Idee, aber im Internet ein unerschlossenes Gebiet – ein Wagnis mit sehr viel Phantasie. Die lange Geschichte des Verleihs können wir online auf eine neue Stufe heben. Insgesamt brauchen wir weitere konkrete Ansätze. Wir wollen immer wieder hören, welche Alternativen andere denken, umsetzen und umgesetzt sehen wollen. Aber in einem Gesamtportfolio aus entstehenden neuen Werten mit bewusstem Konsum ist online-gestützer Verleih eine echte Bereicherung.

Effizientere Ressourcen-Nutzung online

Mit allgegenwärtiger und mobiler Kommunikationstechnologie können wir Verleihen und Ausleihen übersichtlicher, einfacher und gleichzeitig sicherer machen. Ängste vor Kontrollverlust über die eigenen verliehenen Sachen verschwinden mit einer einfachen aber wirkungsvollen Online-Verwaltung. Mit Leihwünschen über das mobile Internet erreicht man alle seine Freunde und Bekannten auf einmal und direkt. Verleih wird online zu einer konkreten Alternative, die sich unkompliziert neben Neu- und Gebrauchtkauf einreiht. Die Hemmschwelle für Verleihen und Ausleihen tendiert damit gegen Null.

Eingebettet in ein neues Verständnis von sozialer Online-Interaktion und digitalem Aktivismus, das schon heute im Internet greifbar wird, kann aus einfachem Verleih ein neues Verständnis von Besitz erwachsen. Menschen geben ihre Sachen vorübergehend an andere ohne die Kontrolle und den Überblick darüber zu verlieren. So entsteht aus der gleichen Menge realer Güter durch Teilen mehr Nutzen als wenn jeder seinen Besitz für sich behält. Konsumwachstum ist damit nicht mehr der einzige Treiber für Nutzenwachstum. Mit dem einfachen Ansatz des online-gestützen Verleihs werden sowohl ökologische als auch ökonomische Ressourcen gemeinsam effizienter genutzt.